Blankwaffen, Hiebwaffensysteme & Tüllen-Bajonette

Kulturhistorischer Kontext: Taktische Symbiose von Hieb- und Stichwaffe

Die Erforschung osteuropäischer Ordonnanz-Schusswaffen erfordert zwingend die komplementäre Dokumentation der zeitgenössischen Blankwaffensysteme. Im kaiserlich-russischen Heer bildeten Gewehr und Bajonett bzw. Säbel eine unzertrennliche taktische Symbiose. Während die reguläre Infanterie ihr Gewehr permanent mit aufgepflanztem Vierkantbajonett führte, vertrauten berittene Einheiten und die reguläre Infanterie-Linie ab 1881 auf den Schaschka-Säbel. Diese Dokumentation veranschaulicht diese Einsatzdoktrinen physisch am Objekt.

Katalogisierte Exponate & Hiebwaffen-Sachzeugen

Dokumentarbild Kategorie Modell / Bezeichnung Epoche Rüstungshistorischer Kontext & Systemrelevanz
M1881 Shashka Gesamt
[ Foto: Gesamtansicht ]
M1881 Shashka Beschriftung
[ Foto: Griff/Gefäß ]
M1881 Shashka Hersteller
[ Foto: Klinge ]
M1881 Schaschka Stempel
[ Foto: Zarenwappen]
Blankwaffe Kaiserliche Dragoner- & Offiziersschaschka M1881
(Modell 1881/09 mit Bajonetthalterung / Hochwertiges Replikatexponat)
Spätzarentum
(Ära Alexander II.)
Detailliertes Belegstück mit kopfseitigem Messing-Handschutzbügel nach kaiserlichem Regulativ von 1881 für Offiziere und berittene Linientruppen. Die Klingenoberfläche dokumentiert die originale heraldische Ikonografie der kaiserlichen Blankwaffenfertigung: Auf der rechten Flanke befindet sich die scharfe tiefgeätzte Herstellersignatur der kaiserlichen Hauptwaffenschmiede im Ural „Zlatoust Waffenfabrik 1892“ (originalkyrillisch: ЗЛАТОУСТЪ ОРУЖ. ФАБР. 1892). Die linke Flanke  trägt  die traditionelle kaiserliche Prunkgravur des historischen Militärslogans „Za Tsarya i Otechestvo“ (ЗА ЦАРЯ И ОТЕЧЕСТВО – Für Zar und Vaterland) sowie den kaiserlich-russischen Doppeladler als offizielles Abnahme- und Eigentumszeichen. Das rüstungstechnische Hauptmerkmal dieses Exponats bilden die originalgetreuen Messingbeschläge an der Lederscheide zur direkten Aufnahme des M1891 Vierkant-Tüllen-Bajonetts. Dies liefert die fundamentale taktische Begründung für die bajonettlose Trageweise der Gewehre M1891 (RSO-010) und Karabiner M1907 (RSO-018) im Sattel, da das Bajonett vorschriftsmäßig an der Säbelscheide geführt und erst für den infanteristischen Einsatz auf die Schusswaffe aufgepflanzt wurde.
M1891 Bajonett Gesamt
[ Foto: Gesamtansicht Bajonett ]
M1891 Bajonett
[ Foto: M1891 Bajonett Rechts ]
M1891 Bajonet Detail
[ Foto: Bajonet Detail ]
Bajonett Kaiserliches M1891 Tüllenbajonett
(Klassische Vierkant-Infanterieausführung / Frühe Variante mit Sperring)
Spätzarentum  (Zaristische Ära) Traditionelles russisches Nadelbajonett mit markantem Vierkantprofil, geschlitzter Tülle und drehbarem Fixierungs-Sperring zur Arretierung hinter dem Laufkorn. Die abgeflachte Spitze des Profils wurde konstruktiv so gehärtet, dass sie dem Soldaten im Feld zeitgleich als physischer Schraubendreher zur vollständigen Systemzerlegung des Drei-Linien-Gewehrs diente. Dieses Exponat dokumentiert die fundamentale Einsatzdoktrin der kaiserlichen Armee: Während reguläre Infanteriegewehre (RSO-001) permanent mit aufgepflanztem Bajonett geführt und ballistisch eingeschossen werden mussten, wurde diese Stichwaffe bei berittenen Dragoner- und Linien-Kavallerieverbänden vorschriftsmäßig **direkt in die Messing-Halteringe der Schaschka-Säbelscheide eingeschoben** und erst für den abgesessenen Erdkampf auf den Lauf konvertiert.